Der Übergang von einem bestehenden auf ein neues System ist ein entscheidender Moment in einem Transformationsprojekt. Zahlreiche Aufgaben müssen in kurzer Zeit und in der richtigen Reihenfolge durchgeführt werden. Gleichzeitig sind viele verschiedene Personen und Aufgaben voneinander abhängig.

Cutover Management sorgt dafür, dass dieser Übergang strukturiert geplant, gesteuert und überwacht werden kann. Grundlage dafür ist ein zentraler Cutover Plan, der alle relevanten Aktivitäten, Meilensteine, Verantwortlichkeiten, Abhängigkeiten und Zeitpunkte zusammenführt.

Was ist Cutover Management?

Cutover Management bezeichnet die Planung, Steuerung und Überwachung einer Systemeinführung. Im Mittelpunkt steht der Übergang von einem bisherigen auf ein neues System beziehungsweise von einer alten in eine neue Prozesswelt.

Ein solcher Übergang besteht nicht aus einer einzelnen Aufgabe. Vielmehr müssen zahlreiche kleinteilige Aktivitäten koordiniert werden. Diese Aufgaben werden von unterschiedlichen Personen aus verschiedenen Teilprojekten durchgeführt und stehen häufig in Abhängigkeit zueinander.

Das Cutover Management bringt diese Aktivitäten zusammen. Es sammelt die notwendigen Aufgaben, identifiziert Abhängigkeiten, bringt die Aktivitäten in eine sinnvolle Reihenfolge und steuert den Ablauf während der Testzyklen und des Go-Lives.

Was ist ein Cutover Plan?

Der Cutover Plan bildet den geplanten Ablauf des Übergangs ab. Für jede Aktivität werden unter anderem Verantwortlichkeiten, Abhängigkeiten, Status, Phase sowie Start- und Endzeitpunkt festgehalten.

Damit schafft der Cutover Plan eine gemeinsame Übersicht für alle Beteiligten und macht den aktuellen Stand des Go-Live-Ablaufs transparent.

Warum ist Cutover Management wichtig?

Gerade größere Transformationsprojekte bringen viele Beteiligte und unterschiedliche Aufgabenbereiche zusammen. Teilprojekte arbeiten parallel, haben eigene Aufgaben und sind gleichzeitig voneinander abhängig. Hinzu kommen enge Zeitfenster, insbesondere rund um den Go-Live.

Das Cutover Management schafft hierfür einen zentralen Rahmen.

Zentraler Ablaufplan und klare Verantwortlichkeiten

Alle relevanten Aktivitäten werden im Cutover Plan gesammelt und in die richtige Reihenfolge gebracht. Dadurch entsteht ein zentraler Ablaufplan für den Übergang in den Produktivbetrieb.

Jede Aktivität erhält eine verantwortliche Person sowie eine Vertretung. So ist für alle Beteiligten transparent, wer für die jeweilige Aufgabe zuständig ist.

Transparenter Live-Status

Der Cutover Plan zeigt den aktuellen Status der einzelnen Aktivitäten. So kann beispielsweise nachvollzogen werden, ob eine Aufgabe noch offen, in Arbeit, erledigt oder verzögert ist.

Diese Informationen sind auch für die Projektleitung relevant. Der aktuelle Stand der Aktivitäten kann bei verschiedenen Meilensteinen als Grundlage für Go-/No-Go-Entscheidungen dienen.

Wann sollte Cutover Management in ein Projekt eingebunden werden?

Cutover Management sollte frühzeitig im Projekt berücksichtigt werden. In einem SAP-Activate-Projekt wird es typischerweise in der Realize-Phase eingebunden.

In der Praxis wird Cutover teilweise erst spät im Projekt berücksichtigt. Daraus resultierend bleibt nur noch wenig Zeit eine Testmigration korrekt aufzubereiten und den Ablauf mehr als nur einmal vor dem Go-Live zu testen.  

Eine frühzeitige Einbindung schafft dagegen die Möglichkeit, den Cutover Plan bereits während der Testzyklen zu erproben und auf Basis dieser Erfahrungen anzupassen.

Welche Aufgaben übernimmt das Cutover Management?

Das Cutover Management begleitet den Aufbau und die Vorbereitung des Cutover Plans über mehrere Schritte hinweg.

1. Cutover Plan erstellen

Zu Beginn wird ein erster Cutover Plan erstellt. Dabei werden die groben Phasen des Übergangs definiert und grundlegende Aktivitäten aufgenommen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • langfristige Vorarbeiten
  • kurzfristige Vorarbeiten
  • Downtime
  • Abschaltung des alten Systems
  • Migration
  • Tests
  • Nachlaufaktivitäten
  • Übergang in den Produktivbetrieb

Langfristige Vorarbeiten können bereits etwa einen Monat vor dem Go-Live beginnen. Kurzfristige Vorarbeiten finden beispielsweise in der Woche vor dem Go-Live statt.

2. Aktivitäten der Teilprojekte sammeln

Anschließend werden die einzelnen Teilprojekte einbezogen. Das Cutover Management sammelt die Aktivitäten, die während der Testzyklen, der Generalprobe und des Go-Lives durchgeführt werden müssen.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Nicht jede Aufgabe eines Teilprojekts ist automatisch für den Cutover relevant.

Entscheidend sind insbesondere Abhängigkeiten zu anderen Aufgaben oder Personen sowie der kritische Pfad des Übergangs.

3. Abhängigkeiten prüfen

Die Aktivitäten werden kontinuierlich auf Vollständigkeit und sinnvolle Abhängigkeiten geprüft. Fehlende Informationen werden ergänzt und die hinterlegte Logik wird überprüft.

So lässt sich beispielsweise feststellen, welche Aktivität zuerst abgeschlossen sein muss, bevor eine weitere Aufgabe beginnen kann.

4. Cutover Plan gemeinsam durchsprechen

Vor einem Testzyklus, der Generalprobe und dem Go-Live sollte der vollständige Cutover Plan mit allen Beteiligten durchgesprochen werden.

Dabei wird der Plan Schritt für Schritt betrachtet. Das schafft ein gemeinsames Verständnis, macht Abhängigkeiten sichtbar und hilft dabei, Lücken im Ablauf zu erkennen.

5. Cutover in Testläufen erproben

Ein wichtiger Bestandteil des Cutover Managements sind Testläufe.

Der Cutover Plan sollte mindestens in einem Testzyklus und nicht erst bei der Generalprobe eingesetzt werden. Dabei kann überprüft werden, wie lange einzelne Aktivitäten tatsächlich dauern. Auf Basis der gewonnenen Erfahrungen lassen sich Zeiten anpassen, Aktivitäten entfernen oder neue Aufgaben ergänzen.

6. Weitere Vorbereitungen

Zum Cutover Management gehören außerdem organisatorische Aufgaben wie:

  • Ressourcen- und Wochenendplanung
  • Vorbereitung eines Fallback-Szenarios
  • Vorbereitung der Go-/No-Go-Entscheidung
  • Reporting an die Projektleitung
  • Kommunikation von Risiken

Wie ist ein Cutover Plan aufgebaut?

Eine Aktivität entspricht im Cutover Plan einer Zeile. Für jede Aktivität werden verschiedene Informationen hinterlegt:

  • ID
  • Vorgänger (und je nach Plan Nachfolger)
  • Verantwortliches Teilprojekt
  • Bearbeiter*in
  • Vertretung
  • Organisation
  • System
  • Taskname
  • zusätzliche Bemerkungen
  • Status
  • Phase
  • geplanter Startzeitpunkt
  • geplanter Endzeitpunkt
  • Dauer

Der Cutover Plan kann beispielsweise Excel-basiert oder webbasiert über ein eingekauftes Tool umgesetzt werden.

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Wie wird der Cutover Plan während des Go-Lives gesteuert?

Die einzelnen Aktivitäten werden aus dem Cutover Plan an die jeweiligen Bearbeiter und Vertreter zu dem gesetzten Startzeipunkt versendet. Die Mail erfasst alle in dem Cutover Plan gepflegten Informationen, wie z.B. Taskname, geplanter Start- und Endzeitpunkt, Task-ID etc.  

Anschließend müssen die Bearbeiter zurückmelden, ob eine Aktivität beispielsweise begonnen wurde, verzögert ist oder abgeschlossen wurde. Diese Rückmeldungen sind wichtig, weil nachfolgende Aktivitäten von ihnen abhängig sein können.

Während des Go-Lives ist eine schnelle Rückmeldung besonders wichtig. Wenn Aktivitäten sehr eng getaktet sind, können Verzögerungen bei einer einzelnen Aufgabe Auswirkungen auf nachfolgende Aktivitäten haben.

Welche Herausforderungen gibt es beim Cutover Management?

Eine der größten Herausforderungen ist die Koordination vieler Beteiligter und fachlicher sowie technischer Teilprojekte. Unterschiedliche Fachbereiche bringen eigene Aufgaben und Anforderungen mit. Gleichzeitig müssen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Aktivitäten berücksichtigt werden.

Hinzu kommen häufig enge Zeitfenster. Während eines Go-Lives können Aktivitäten teilweise minutenweise geplant sein. Deshalb müssen Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Zeitpunkte möglichst genau aufeinander abgestimmt werden.

Auch die verfügbaren Ressourcen können eine Herausforderung darstellen. Beteiligte Personen haben neben dem Transformationsprojekt häufig weitere Aufgaben. Dadurch kann es schwierig sein, Termine für Abstimmungen zu finden oder benötigte Informationen rechtzeitig zusammenzutragen.

Eine weitere Herausforderung liegt darin, die fachlichen Aufgaben der einzelnen Teilprojekte in konkrete Cutover-Aktivitäten zu übersetzen. Die Beteiligten kennen ihre Aufgaben häufig gut, können aber nicht immer direkt einschätzen, welche davon für den Cutover relevant sind.

Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für das Cutover Management?

Frühzeitig Verständnis für Cutover schaffen

Nicht alle Projektbeteiligten kennen das Konzept des Cutover Managements. Deshalb sollte frühzeitig vermittelt werden, was Cutover bedeutet und welche Aufgaben damit verbunden sind.

Rollen klar definieren

Das Cutover Management ist eng mit der Projektleitung verbunden, übernimmt aber nicht deren Rolle. Der Schwerpunkt liegt auf Koordination und Steuerung. Die Verantwortung für die fachlichen Aufgaben bleibt bei den jeweiligen Teilprojekten.

Kommunikation und Transparenz sicherstellen

Alle Beteiligten sollten den Cutover Plan einsehen können. Übergreifende Themen und mögliche Risiken sollten transparent kommuniziert und frühzeitig angesprochen werden.

Mindestens einen Testlauf vor der Generalprobe durchführen

Der Cutover sollte bereits vor der Generalprobe in einem Testzyklus erprobt werden. So können sich die Beteiligten an den Ablauf und die erforderlichen Rückmeldungen gewöhnen. Gleichzeitig lassen sich die benötigten Zeiten besser einschätzen.

Eine verantwortliche Person pro Aktivität festlegen

Für jede Aktivität sollte nur eine Person als Bearbeiter hinterlegt werden. So ist eindeutig, wer für die Durchführung und Rückmeldung verantwortlich ist. Zusätzlich sollte eine Vertretung eingetragen werden.

Zeitpuffer einplanen

Auch wenn die Dauer der Aktivitäten in Testläufen ermittelt wurde, kann es beim Go-Live zu Abweichungen kommen. Zeitpuffer schaffen zusätzlichen Spielraum für mögliche Verzögerungen.

Wochenendarbeit und Erreichbarkeit frühzeitig planen

Da ein Go-Live häufig am Wochenende stattfindet, sollte notwendige Wochenendarbeit frühzeitig kommuniziert und beantragt werden. Zusätzlich sollten Kontaktdaten gesammelt werden, damit die zuständigen Personen bei Verzögerungen oder Problemen erreichbar sind.

Fazit: Cutover Management schafft Struktur für den Go-Live

Ein erfolgreicher Übergang in den Produktivbetrieb besteht aus zahlreichen einzelnen Aktivitäten. Unterschiedliche Teilprojekte und Personen müssen ihre Aufgaben innerhalb eines engen Zeitfensters durchführen und dabei Abhängigkeiten berücksichtigen.

Cutover Management schafft hierfür einen zentralen und transparenten Ablauf. Der Cutover Plan macht sichtbar, welche Aufgaben anstehen, wer dafür verantwortlich ist, wann sie durchgeführt werden und welchen Status sie haben.

Besonders wichtig sind dabei eine frühzeitige Einbindung, klare Verantwortlichkeiten, transparente Kommunikation und die Erprobung des Cutover Plans in Testläufen. So können Abläufe bereits vor dem eigentlichen Go-Live überprüft und angepasst werden.

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FAQ zum Cutover Management

Was gehört in einen Cutover Plan?

Zu den Informationen eines Cutover Plans gehören unter anderem ID, Vorgänger, verantwortliches Teilprojekt, Bearbeiter*in, Vertretung, Organisation, System, Taskname, Bemerkungen, Status, Phase, Startzeitpunkt, Endzeitpunkt und Dauer.

Ist jede Aufgabe eines Teilprojekts Cutover-relevant?

Nein. Nicht jede Aufgabe eines Teilprojekts muss in den Cutover Plan aufgenommen werden. Relevant sind insbesondere Aktivitäten mit Abhängigkeiten zu anderen Aufgaben oder Personen sowie Aktivitäten auf dem kritischen Pfad.

Warum sind Testläufe beim Cutover wichtig?

Testläufe ermöglichen es, den Cutover-Ablauf bereits vor der Generalprobe zu erproben. Dabei können beispielsweise die Dauer einzelner Aktivitäten überprüft und der Cutover Plan entsprechend angepasst werden.

Warum sollte nur eine Person für eine Aktivität verantwortlich sein?

Wenn mehrere Personen als Bearbeiter eingetragen sind, kann unklar sein, wer für die Durchführung und Rückmeldung zuständig ist. Deshalb sollte einer Aktivität eine eindeutige bearbeitende Person zugeordnet werden. Eine zusätzliche Vertretung sollte unbedingt hinterlegt werden.

Welche Rolle spielt die Kommunikation beim Cutover Management?

Kommunikation und Transparenz sind wichtige Bestandteile des Cutover Managements. Die Beteiligten sollten den Cutover Plan einsehen können und über übergreifende Themen, Abhängigkeiten und mögliche Verzögerungen informiert sein.

Warum sind Rückmeldungen während des Go-Lives wichtig?

Viele Aktivitäten sind voneinander abhängig. Die Rückmeldung einer Person kann deshalb Voraussetzung dafür sein, dass eine nachfolgende Aktivität gestartet werden kann. Gerade bei einem eng getakteten Go-Live sind zeitnahe Rückmeldungen wichtig.

Warum sollte ein Cutover Plan Zeitpuffer enthalten?

Auch wenn die Dauer einzelner Aktivitäten in Testläufen erprobt wurde, können beim Go-Live Verzögerungen oder unerwartete Probleme auftreten. Zeitpuffer schaffen zusätzlichen Spielraum im Ablauf.

Welche Rolle spielt der Cutover Plan bei der Go-/No-Go-Entscheidung?

Der aktuelle Status der Aktivitäten kann der Projektleitung als Entscheidungsvorlage für Go-/No-Go-Entscheidungen dienen.

Wer ist für die einzelnen Cutover-Aktivitäten verantwortlich?

Das Cutover Management übernimmt vor allem eine koordinierende und steuernde Rolle. Die fachliche Verantwortung für die einzelnen Aktivitäten liegt bei den ausführenden Personen.  

Kann ein Cutover Plan mit Excel erstellt werden?

Ja. Ein Cutover Plan kann beispielsweise Excel-basiert erstellt werden. Es gibt außerdem verschiedene webbasierte Varianten.

Warum muss Wochenendarbeit frühzeitig geplant werden?

Ein Go-Live findet häufig am Wochenende statt. Deshalb sollten die benötigten Ressourcen und die notwendige Wochenendarbeit frühzeitig geplant und kommuniziert werden. Zusätzlich sollten Kontaktdaten für die Erreichbarkeit während des Go-Livesvorliegen.