Mit der Einführung von SAP S/4HANA Utilities verändert sich nicht nur die technische Plattform, sondern vor allem die Erwartung an die Struktur der Stammdaten. Viele Energieversorger unterschätzen dabei einen entscheidenden Punkt: Die eigentliche Herausforderung liegt häufig nicht in der Migration selbst, sondern im notwendigen Umbau historisch gewachsener IS-U-Konstrukte hin zu einem SDRM-konformen Zielbild.

Das von SAP veröffentlichte Stammdatenreferenzmodell (SDRM) definiert dabei sehr konkrete Erwartungen an die Struktur und Verknüpfung von Markt-, Mess- und Geräteobjekten. Besonders relevant ist dabei die klare Trennung zwischen physischer Messung und abrechnungstechnischer Abbildung.

Genau an diesem Punkt kollidieren die SDRM-Vorgaben jedoch häufig mit der Realität bestehender IS-U-Systeme.

Historisch gewachsene RLM-Konstrukte

In zahlreichen Transformationsprojekten zeigt sich immer wieder ein ähnliches Bild: Über Jahre oder Jahrzehnte gewachsene Stammdatenkonstrukte wurden fachlich korrekt betrieben, entsprechen jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen an Marktkommunikation, intelligente Messsysteme oder standardisierte Plattformarchitekturen.

Besonders auffällig sind dabei registrierende Lastgangmessungen (RLM). In vielen bestehenden IS-U-Systemen sind reale Geräte direkt an der Marktlokationsanlage verbaut und dort abrechnungsrelevant eingebunden. Historisch war das nachvollziehbar. Das SDRM verfolgt jedoch einen anderen Ansatz: Reale Geräte sollen ausschließlich an der Messlokation (MeLo) eingebaut werden, während die Marktlokation (MaLo) mit einem Geräteinfosatz arbeitet.

Damit wird die physische Gerätewelt bewusst von der abrechnungstechnischen Sicht entkoppelt. Die Messung erfolgt weiterhin über das reale Gerät in der MeLo, die abrechnungs- und bilanzierungsrelevanten Zählwerke liegen jedoch auf einem virtuellen Geräteinfosatz in der MaLo.

Identifikation der betroffenen Konstrukte


Die eindeutige Identifikation der umzubauenden Fälle ist bereits ein eigenes Arbeitspaket. In der Praxis haben sich hierfür mehrere technische Kriterien etabliert. Besonders hilfreich sind die OBIS-Kennzahlen aus der Tabelle ETDZ in Kombination mit den logischen Zählwerksnummern aus EASTS.

Entscheidend ist dabei die Prüfung, welche Zählwerke tatsächlich abrechnungsrelevant eingebaut sind. Zusätzlich existieren in vielen Kundensystemen individuelle Kennzeichen oder spezifische Geräte- und Registertypen, die zur weiteren Typisierung herangezogen werden können.

Gerade im Massenumfeld ist diese Typisierung essenziell. Ohne klar definierte Identifikationsregeln entstehen sehr schnell Inkonsistenzen oder Fehlumbauten.

Zusatzgeräte als weiteres Problemfeld


Ein zweites großes Problemfeld betrifft Zusatzgeräte. Auch hier weicht die Realität häufig vom SDRM-Zielbild ab. Zusatzgeräte wie Mengenumwerter, Wandler oder Messwertregistriergeräte wurden in vielen IS-U-Systemen lediglich über Geräte- oder Zählwerksbeziehungen modelliert. Abrechnungstechnische Einbauten fehlen dagegen oft vollständig.

Das SDRM betrachtet diese Geräte jedoch deutlich strukturierter. Bestimmte Zusatzgeräte enthalten abrechnungsrelevante Informationen und müssen daher sauber in die Anlagenstruktur integriert werden. Insbesondere Wandler und Steuereinrichtungen beeinflussen direkt die Abrechnung und dürfen deshalb nicht lediglich als technische Nebenobjekte behandelt werden.

Technischer Umbau der Konstrukte

In der Praxis hat sich meist ein dreiphasiger Ansatz etabliert.

Im ersten Schritt erfolgt die eindeutige Identifikation der betroffenen Konstrukte. Im zweiten Schritt werden fachliche und technische Umbauregeln definiert und als technische Transformationslogik umgesetzt. Im dritten Schritt erfolgt die Verprobung der Ergebnisse.

Zu den typischerweise betroffenen Tabellen für den RLM-Umbau zählen unter anderem:
- ETDZ
- EASTS
- EASTL
- EGERR
- EPROFASS

Gerade die Zeitscheibenlogik stellt hierbei eine erhebliche Herausforderung dar. Ein Gerätewechsel bedeutet nicht zwangsläufig auch einen Wechsel der logischen Zählwerksnummern. Dadurch entstehen komplexe historische Überlagerungen zwischen Geräte- und Zählwerkshistorien.

Massenumbauten und Verprobung

Sind erste Einzelfälle erfolgreich umgesetzt, folgt die eigentliche Herausforderung: der Massenumbau.

Ab diesem Punkt reichen klassische Sichttests nicht mehr aus. Stattdessen müssen technische Verprobungsmechanismen etabliert werden. Besonders bewährt haben sich SQL-basierte Testskripte, mit denen Konsistenzen systematisch geprüft werden können.

Dabei geht es beispielsweise um:

- korrekte Abrechnungsrelevanz

- konsistente Zeitscheiben

- vollständige Profilzuordnungen

- eindeutige Gerätebeziehungen

- stabile logische Zählwerksnummern

- unveränderte Energiemengenhistorien

Fazit

Die Erfahrungen aus zahlreichen S/4HANA-Transformationsprojekten zeigen ein klares Bild: Der eigentliche Engpass liegt selten in der Migrationstechnologie selbst. Die größte Herausforderung ist fast immer die fachlich und technisch saubere Transformation der Stammdatenkonstrukte.

Viele Systeme funktionieren seit Jahren stabil, jedoch auf Basis von Konstrukten, die nie für heutige Marktanforderungen, intelligente Messsysteme oder standardisierte Plattformarchitekturen konzipiert wurden.

Wer diese Umbauten sauber vorbereitet und technisch beherrscht umsetzt, schafft die Grundlage für stabile Marktkommunikation, skalierbare Plattformarchitekturen und langfristig wartbare S/4HANA-Systeme.