Die Energiewirtschaft befindet sich mitten in der S/4HANA Transformation. Neue Tarifmodelle, kürzere Produktlebenszyklen und steigende Kundenanforderungen verlangen nach flexiblen Prozessen und einer stabilen IT-Landschaft, die schnell auf Veränderungen reagieren kann. Im Umfeld von SAP S/4HANA Utilities gewinnt deshalb der Utilities Product Integration Layer (UPIL) zunehmend an Bedeutung.

UPIL schafft die Grundlage für ein modernes Produktmanagement, indem es Vertrieb, Produktkonfiguration und Abrechnung eng miteinander verbindet. Dadurch lassen sich Produkte schneller bereitstellen, einfacher pflegen und konsistent über ihren gesamten Lebenszyklus steuern.

Was ist der Utilities Product Integration Layer (UPIL)?

UPIL ist der Standard zur Integration versorgungswirtschaftlicher Produkte innerhalb von SAP S/4HANA Utilities. Ziel ist es, Produktlogik und Abrechnungslogik miteinander zu verbinden und den Idea-to-Product- und Lead-to-Contract-Prozess effizient abzubilden.

Ein zentraler Bestandteil von UPIL ist das Mapping von Produktattributen auf Operanden und weitere kaufmännische Stammdaten. Dadurch können unter anderem Preise, Rabatte oder Termindaten automatisiert in die für die Abrechnung relevanten Strukturen von SAP S/4HANA Utilities überführt werden.

Das zugrundeliegende Framework bietet verschiedene Funktionalitäten und Objekte:

  • Referenzprodukte als wiederverwendbare Grundlage für die Definition von Versorgungsprodukten
  • Vertriebsprodukte als Produkte, die dem Kunden angeboten werden
  • Mapping von Produktmerkmalen auf Abrechnungsstammdaten
  • API zur Integration externer CRM- und Vertriebssysteme
  • Vertriebsvertragsmanagement zur Verwaltung der Produkt- und Kundendaten

Das Ziel: Die Produkterstellung soll nicht für jeden Anwendungsfall vollständig neu in der Abrechnung umgesetzt werden. Stattdessen werden Produktmerkmale strukturiert erfasst und über definierte Zuordnungen in die Abrechnungssachverhalte im S/4HANA Utilities integriert.

Welche Vorteile bietet UPIL für das Produktmanagement?

Für Produktmanager ist insbesondere die Trennung zwischen der Produktdefinition und technischer Abrechnungslogik relevant.

UPIL fußt dabei auf drei zentralen Prinzipien:

1. Wiederverwendbarkeit

Referenzprodukte dienen als wiederverwendbare Vorlage für Vertriebsprodukte. Dadurch können gemeinsame Eigenschaften und Zuordnungen zentral definiert und für mehrere Produkte genutzt werden.

Das reduziert redundante Definitionen und schafft eine konsistente Grundlage für die Produktpflege.

2. Abstraktion

Produktmanager können Produkte und Produktmerkmale über definierte Prozesse pflegen, ohne jede einzelne Zuordnung zur Abrechnung manuell aufzubauen.

Über die Schnittstellen lassen sich neben den Standardapplikationen auch externe Systeme integrieren. Die Abstraktion innerhalb der Produktanlage entkoppelt den Vertriebsprozess von Entwicklungsaufwänden und verlagert diese in die Fachbereiche zu den Produktmanagern.

3. Standardisierte Integration

UPIL ermöglicht eine strukturierte Referenzierung zwischen den Attributen eines Versorgungsproduktes und den entsprechenden Abrechnungsstammdaten in SAP S/4HANA Utilities.

Produktmerkmale werden mit den Abrechnungssachverhalten verknüpft. Dadurch entstehen konsistente Prozesse und verlässliche Produktzuweisungen. Das Ergebnis ist eine Produktlandschaft, die einfacher wartbar ist und gleichzeitig eine schnellere Time-to-Market neuer Produkte ermöglicht.

Referenzprodukte als Fundament der Produktwelt

Ein zentrales Objekt von UPIL sind die Referenzprodukte. Sie bilden den technischen Bauplan für eine gesamte Produktgruppe und definieren alle zulässigen Abrechnungsvorschriften.

Auf Basis dieser Referenzprodukte entstehen anschließend die eigentlichen Vertriebsprodukte, die den Endkunden angeboten werden. Da sämtliche Abrechnungslogiken bereits im Referenzprodukt hinterlegt sind, müssen diese nicht für jedes einzelne Vertriebsprodukt erneut definiert werden.

Dieser Ansatz sorgt für eine konsistente Produktstruktur über alle Vertriebsprodukte hinweg. Erweiterungen der Referenzprodukte ermöglichen zudem eine einfache Funktionsanpassung und -erweiterung über eine Vielzahl von Produkten.

Der Prozess lässt sich vereinfacht folgendermaßen darstellen:

Wie werden Produktmerkmale mit UPIL abgebildet?

Die Flexibilität von UPIL entsteht insbesondere durch den Einsatz von Produktmerkmalen und Attributen.

Zu den möglichen Produktmerkmalen gehören beispielsweise:

  • Preisinformationen
  • Vertragslaufzeit
  • Kündigungsbedingungen
  • Rabatte
  • Zuschläge
  • Boni

sowie weitere kunden- oder produktspezifische Eigenschaften. Die Merkmale können abhängig vom jeweiligen Produkt oder Geschäftsvorfall unterschiedlich ausgeprägt werden. Dadurch lassen sich individuelle Produktvarianten abbilden, ohne für jede mögliche Kombination ein vollständig eigenständiges Produkt definieren zu müssen.

Wie funktioniert die Variantenkonfiguration mit UPIL?

UPIL unterstützt die mehrstufige Pflege von Produktmerkmalen und schafft damit eine flexible Grundlage für die Produktgestaltung. Für die verschiedenen Ebenen der Wertezuweisung werden die im Prozess verwendeten Objekte wie folgt genutzt:

  • im Referenzprodukt werden Merkmale zentral vordefiniert,
  • im Vertriebsprodukt produktspezifisch gepflegt,
  • und im Verkaufsprozess kundenindividuell ausgeprägt.

Die Produktmerkmale sind in Klassenarten gegliedert und werden innerhalb des Prozessframeworks in die nachgelagerten Utilities-Prozesse überführt. Ein Beispiel sind belieferungsrelevante Informationen. Diese können im Verkaufsprozess erfasst und anschließend für die Verarbeitung in SAP S/4HANA Utilities und der MaCo-Cloud genutzt werden. Unter anderem werden auf diesem Weg auch Anlagefakten vertragsbezogen gepflegt und Termindaten in den Utilities-Vertrag überführt.

Welche Rolle spielt der Vertriebsvertrag?

Mit SAP S/4HANA Utilities wird der Vertriebsvertrag als zentrales Objekt im Vertriebsprozess der Lieferanten eingeführt. Im Vertriebsvertrag werden sämtliche kunden- und produktspezifischen Informationen gebündelt. Gleichzeitig dient er als Ausgangspunkt für zahlreiche Geschäftsprozesse wie beispielsweise:

  • Produktwechsel
  • Preisanpassungen
  • Vertragsänderungen
  • Kundeninformationen

Durch den Vertriebsvertrag entsteht eine zentrale Sicht auf alle vertriebsrelevanten Informationen und sämtliche Folgeprozesse können konsistent angestoßen werden. Zudem bildet der Vertriebsvertrag verschiedene Positionen und Periodenpositionen ab, wodurch eine durchgängige Prozess- und Historienabbildung möglich ist.

Wie funktioniert die Prozessintegration im Lead-to-Contract?

Neben der Produktintegration mit UPIL bietet das Prozessframework auch eine Integration der energiewirtschaftlichen Prozesse mit dem Kundenauftrag. Prozessual wird mit dem Kundenauftrag der Geschäftspartner im System angelegt und eine SD-Order zum Prozessstart genutzt. Die SD-Order dient als zentraler Datencontainer für die Produktmerkmale und prozessrelevanten Informationen. Darüber hinaus kann mithilfe verschiedener Positionstypen in der SD-Order der passende Prozess im Prozessframework angesprochen werden.

Über das Prozess-Framework werden anschließend die jeweiligen Geschäftsprozesse gestartet, beispielsweise ein Lieferbeginn. Die relevanten Informationen werden an die Marktkommunikation übergeben und nach erfolgreicher Rückmeldung im SAP S/4HANA Utilities weiterverarbeitet.

Im nächsten Schritt übernimmt UPIL die Zuordnung der definierten Produktmerkmale zu den entsprechenden Operanden in den Anlagefakten. Arbeitspreise, Rabatte, Steuerkennzeichen oder weitere abrechnungsrelevante Informationen werden vertragsbezogen in die Abrechnung überführt.

Durch die Integration innerhalb des Prozessframeworks wird die Pflege der Daten auf der Ebene der Anlagefakten beherrschbar. Anpassungen wie Produktwechsel oder Preisanpassungen erfolgen ebenfalls zentral über den Vertriebsvertrag und starten die zugehörigen Prozesse im SAP S/4HANA Utilities.

Lassen sich externe CRM- und Vertriebssysteme mit UPIL integrieren?

Ja. Ein wesentlicher Bestandteil von UPIL ist die Möglichkeit, externe CRM- und Vertriebssysteme über Schnittstellen anzubinden. SAP stellt hierfür unter anderem APIs für den Utilities Product Integration Layer bereit. Über die SAP Business Technology Platform (BTP) können ebenfalls externe Vertriebskanäle angebunden werden.

Für Unternehmen mit gewachsenen Systemlandschaften eröffnet das die Möglichkeit, bestehende Anwendungen schrittweise innerhalb der Transformation mit den standardisierten Produkt- und Vertragsprozessen von SAP S/4HANA Utilities zu verbinden.

Fazit

Mit dem Utilities Product Integration Layer etabliert SAP einen modernen Standard für das Produktmanagement in SAP S/4HANA Utilities.

Die Trennung von Produktdefinition und technischer Abrechnungslogik, die zentrale Steuerung über den Vertriebsvertrag sowie die flexible Variantenkonfiguration ermöglichen eine deutlich effizientere Verwaltung von Vertriebsprodukten.  

Gleichzeitig profitieren Energieversorger von kürzeren Einführungszeiten neuer Produkte, geringerem Pflegeaufwand und einer konsistenten Prozesslandschaft über den gesamten Idea-to-Product und Lead-to-Contract-Prozess hinweg.

Für Energieversorger, die ihre SAP-S/4HANA-Transformation zukunftssicher gestalten möchten, bildet UPIL damit einen wichtigen Baustein für standardisierte, flexible und wartbare Vertriebs- und Produktprozesse.

Sie möchten noch tiefer in das Thema einsteigen?

In unserem Webinar haben wir UPIL und seine Rolle im Lead-to-Contract-Prozess genauer unter die Lupe genommen. Die Aufzeichnung vom Webinar können Sie sich hier anfordern: Zum Webinar

Häufige Fragen zu UPIL in SAP S/4HANA Utilities (FAQ)

Was bedeutet UPIL?

UPIL steht für Utilities Product Integration Layer. UPIL ist eine Lösung in SAP S/4HANA Utilities zur Integration von Produktbaukästen mit den Abrechnungs- und Vertriebsstammdaten des Utilities-Systems.

Was macht der Utilities Product Integration Layer?

UPIL verknüpft Produktmerkmale mit relevanten Abrechnungsstammdaten in S/4HANA Utilities. Ein zentraler Anwendungsfall ist das Mapping von Produktmerkmalen auf Operanden und Termindaten.

Was ist ein Referenzprodukt in UPIL?

Ein Referenzprodukt ist eine wiederverwendbare Vorlage für Vertriebsprodukte. Es definiert unter anderem gemeinsame Produktmerkmale und deren Zuordnungen zu den Utilities-Stammdaten.  

Welche Produkte lassen sich mit UPIL abbilden?

UPIL unterstützt die Definition und Integration von Commodity Produkten. Produktattribute wie Gebühren, Rabatte und weitere Eigenschaften können mit den entsprechenden Abrechnungsdaten in SAP S/4HANA Utilities verknüpft werden. Ebenfalls können non-Commodity Bestandteile innerhalb des Frameworks angeboten werden.

Kann UPIL externe Systeme anbinden?

Ja. SAP stellt standardisierte Schnittstellen für UPIL bereit. Die API ermöglicht dabei u. a. das Anlegen neuer Produkte und die Aktualisierung von Produktbestandteilen.

Welche Rolle spielt UPIL im Lead-to-Contract-Prozess?

Innerhalb des Prozessframeworks mit Integration der SD-Order wird die Produktdefinition über UPIL mit den nachgelagerten Vertriebs- und Abrechnungsprozessen verbunden. Produktmerkmale können über definierte Mappings, in die für SAP S/4HANA Utilities relevanten Strukturen übertragen werden und damit die Verbindung zwischen Produkten, Vertrieb, Abrechnung und regulatorischen Prozessen abbilden.